Anwartschaft für Lehramtsstudierende – wichtig oder unnötig?

Anwartschaft für Lehramtsstudierende – wichtig oder unnötig?

Die meisten Lehramtsstudierenden haben den Begriff schon einmal gehört: Anwartschaft. Oft fällt er beiläufig, im Gespräch mit Kommilitonen oder am Rande einer Beratung. Genau deshalb wird dieses Thema von vielen unterschätzt – obwohl es später einen erheblichen finanziellen Unterschied machen kann.

Eine Anwartschaft ist im Kern nichts anderes als eine Option für die Zukunft. Sie sichert dir das Recht, zu einem späteren Zeitpunkt in die private Krankenversicherung einzutreten, ohne dass dann erneut eine Gesundheitsprüfung durchgeführt wird. Für Lehramtsstudierende bedeutet das ganz konkret: Du gibst deine Gesundheitsdaten einmal ab und kannst – völlig unabhängig davon, ob der Wechsel in einem, drei oder sieben Jahren erfolgt – später in die private Krankenversicherung eintreten, ohne dass dein Gesundheitszustand erneut geprüft wird. Genau dieser Punkt ist entscheidend.

Die Gesundheitsprüfung wird im Studium häufig massiv unterschätzt. Viele sagen: „Ich bin doch gesund“ oder „mir passiert schon nichts“. In der Praxis zeigt sich allerdings immer wieder, dass genau diese Annahme trügt. Oft sind es keine schweren Erkrankungen, sondern scheinbar harmlose Dinge, die später Probleme verursachen. Ein psychologisches Erstgespräch, ein Arztbesuch wegen Stress oder Schlafproblemen, ein paar Physiotherapietermine wegen Rücken- oder Nackenbeschwerden oder auch eine Knirscherschiene wegen Kieferverspannungen – all das wirkt im ersten Moment banal, kann aber in der Krankenakte auftauchen und für Versicherer relevant werden.

Was viele nicht wissen: Es reicht bereits ein kurzer Vermerk in der Akte, damit Versicherer genauer hinschauen. Und genau dann kann es passieren, dass man entweder nur zu schlechteren Konditionen aufgenommen wird, Risikozuschläge zahlen muss oder bestimmte leistungsstarke Tarife gar nicht mehr zur Auswahl stehen. Deshalb ist es so wichtig, sich frühzeitig mit diesem Thema zu beschäftigen.

Der Hintergrund ist einfach. Die Gesundheit ist in jungen Jahren in der Regel besser als später. Am Anfang des Studiums sind die meisten Studierenden gesünder als am Ende. Der Stress nimmt zu, die Belastung steigt und Arztkontakte werden häufiger. Mit einer Anwartschaft sichert man diesen frühen, besseren Gesundheitszustand ab und hat das Thema für die Zukunft ein für alle Mal aus dem Kopf.

Gerade für Lehramtsstudierende ist das besonders relevant, weil der Großteil von ihnen im Laufe der beruflichen Laufbahn verbeamtet wird. Rund 93 % aller Beamten sind privat krankenversichert – bei Lehrerinnen und Lehrern liegt dieser Anteil sogar noch höher, sodass faktisch fast alle verbeamteten Lehrkräfte privat versichert sind. Der Grund dafür ist die sogenannte Beihilfe. Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn einen Zuschuss zu ihren Krankheitskosten, meist in Höhe von rund 50 %. Den restlichen Teil sichert man sinnvollerweise über eine private Krankenversicherung ab.

Die private Krankenversicherung ist für Beamte nicht nur günstiger als die gesetzliche Krankenversicherung, sondern bietet auch bessere Leistungen. Der Zugang zur PKV ist jedoch vom Gesundheitszustand abhängig. Der Beitrag wird individuell kalkuliert. Ist der Gesundheitszustand aus Sicht des Versicherers einwandfrei, zahlt man den normalen Beitrag für sein Alter. Gibt es Auffälligkeiten, kommen Risikozuschläge hinzu oder bestimmte Tarife sind gar nicht mehr möglich. Diese Zuschläge sind später meist nur schwer oder gar nicht wieder loszuwerden, und auch ein Wechsel in bessere Tarife ist nachträglich oft schwierig.

Genau an dieser Stelle zeigt sich, warum eine Anwartschaft so sinnvoll ist. Sie kostet je nach Gesellschaft und Ausgestaltung meist nur zwischen einem und fünf Euro im Monat, kann aber darüber entscheiden, ob man später dauerhaft deutlich mehr für seine Krankenversicherung zahlt oder nicht. In der Praxis sehen wir immer wieder Fälle, in denen sich dieser kleine monatliche Betrag über Jahre hinweg in hunderten oder sogar tausenden Euro Unterschied niederschlägt.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass eine Anwartschaft immer an eine konkrete Versicherungsgesellschaft gebunden ist. Sie sichert den Gesundheitszustand also nicht pauschal bei allen Versicherern, sondern nur bei der Gesellschaft, bei der sie abgeschlossen wurde. Dieser Punkt wird leider häufig falsch oder unklar dargestellt. Dennoch gilt: Bei so geringen Kosten gibt es keinen rationalen Grund, sich diese Option nicht zu sichern – vorausgesetzt, der Gesundheitszustand lässt den Abschluss aktuell zu.

Unser Fazit ist daher klar: Für Lehramtsstudierende, die später verbeamtet werden möchten und noch etwas Zeit bis zum Referendariat haben, ist eine Anwartschaft in den allermeisten Fällen ein absoluter No-Brainer. Einmal die Gesundheitsdaten abgeben, das Thema abhaken und für die Zukunft auf der sicheren Seite sein.

Wenn du dich am Anfang oder in der Mitte deines Lehramtsstudiums befindest oder noch mindestens sechs Monate bis zum Referendariat hast, lohnt es sich, das Thema frühzeitig zu prüfen. Gemeinsam lässt sich klären, ob eine Anwartschaft für dich sinnvoll ist und bei welcher Gesellschaft sie am besten zu deiner persönlichen Situation passt.

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